Austretende Chemiedämpfe
Gefahrgut > sonstiger Gefahrgut-Einsatz
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eingesetzte Kräfte
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Einsatzbericht
Eine verletzte Person und ein längerer Einsatz ist die Bilanz einer missglückten Abfluss Reinigung in einer Wohnung in einem Mehrparteienwohnhaus in der Winzinger Straße. In einer Wohnung war der Küchenabfluss verstopft. Da die Maßnahmen mit einem Reinigungsgerät nicht zum Erfolg führten, wollte die Person der Verstopfung mit Salzsäure nachhelfen. Er schüttete ein wenig Salzsäure in den Abfluss und umgehend Wasser darauf. Bei der „Mischung“ kann die entstehende Wärme so stark sein, dass die Flüssigkeit plötzlich aufkocht und spritzt, was auch passierte. Die Person atmete die Dämpfe ein und kam zur Abklärung mit dem Rettungsdienst in das nahegelegene Krankenhaus. Noch vor Eintreffen der Feuerwehr wurde in der betroffenen Wohnung für eine Querlüftung gesorgt. Unter Atemschutz kontrolliert der Angriffstrupp die Küche auf eventuelle ausgetretene Flüssigkeit und evakuierte das komplette Wohnhaus. Da absehbar war, dass der Einsatz länger andauert, ließ der Einsatzleiter die Schnelleinsatzgruppe Betreuung alarmieren. Diese kümmerte sich um die Bewohner und betreute sie in den Räumen einer naheliegenden Pizzeria. Der Messtrupp des Gefahrstoffzug führte Messungen durch. Diese ergaben in der betroffenen Wohnung erhöhte Werte. Ebenso war der entstandene Chlorgeruch im ganzen Treppenhaus riechbar. Unter einem Chemikalienschutzanzug entfernten die Einsatzkräfte die noch restliche, in dem Abflussrohr stehende Flüssigkeit. Hierzu musste das Küchenabflussrohr komplett entfernt und ins Freie verbracht werden. Da von Seiten der Feuerwehr die Verstopfung nicht gelöst werden konnte und die Ausgasung immer noch messbar war, wurde über den Eigentümer eine Rohrreinigungsfachfirma hinzugezogen. Parallel zu den eingeleiteten Maßnahmen wurde das Gebäude mit einem Hochleistungslüfter belüftet, um die Dämpfe zu verwirbeln. Mit speziellen Gerätschaften konnte die Fachfirma die Verstopfung in kurzer Zeit beheben und die Bewohner wieder in ihre Wohnungen zurückkehren.
Im Einsatz standen neun Einsatzkräfte der Feuerwehr mit einem Lösch- und einem Messfahrzeug, der Rettungsdienst mit einem Rettungswagen, eine Funkstreifenwagenbesatzung der Polizei, die Abschnittsleitung Gesundheit (organisatorischer Leiter) und Schnelleinsatzgruppe (SEG) Betreuung.
Wichtiger Hinweis der Feuerwehr:
Wenn Wasser in konzentrierte Salzsäure gelangt, entsteht eine stark exotherme Reaktion, bei der die Säure verdünnt wird und massive Hitze freigesetzt wird. Dies führt zum Sieden und Spritzen der Säure, weshalb Wasser niemals direkt in Säure gegossen werden sollte ("Säure ins Wasser, nie die Säure, sonst passiert das Ungeheuer").

